Interview.
OLIVIA MITTERHUEMER
Tänzerin.

Passion. Emotion. Leidenschaft.

Olivia ist freiberufliche Tänzerin aus Salzburg. Schon als Teenager hat sie gewusst, dass sie später ihr Hobby zum Beruf machen will. Es war Liebe auf den ersten Beat und das hat Olivia nie wieder losgelassen. Mit 18 Jahren hat sie bereits das erste Hip-Hop-Festival namens „Flavourama“ in Salzburg gegründet, welches heute zu einem der größten Streetdance-Festivals in Europa zählt. Die erste abendfüllende House-Dance-Theaterproduktion ist ihr neuestes Projekt - das Stück „4 A.M“ hat am 14. April 2021 im Brut Wien Premiere gefeiert. Im Interview hat sie uns verraten, was es braucht, um mit dem Tanz erfolgreich zu sein, sie erzählt uns von ihren Zielen und spannenden Projekten. Olivia nimmt uns in ihren Proberaum mit und erklärt uns im Guide-to-relax, wieso es so wichtig es ist, auf die Signale im Körper zu hören und sich genügend Ruhepausen zu gönnen.

Liebe Olivia, schön dass wir dich heute im Toihaus Salzburg besuchen dürfen. Zum Einstieg würden wir gerne wissen: Wer ist Olivia und was macht sie genau?

Ich bin 31 Jahre alt, komme aus Salzburg und bin freiberufliche Hip-Hop und House-Tänzerin. Da bin ich in den unterschiedlichsten Bereichen tätig. Zum Beispiel mache ich viel Performance, bin als Dozentin in verschiedensten Institutionen tätig, gebe Kurse, kuratiere Theaterstücke und abendfüllende Produktionen, organisiere ein Festival namens „Flavourama“ – Das Street-Dance-Battle, welches es nun heuer schon zum 14. Mal stattfindet.

Wann hat sich die Leidenschaft zum Tanz für dich entwickelt?

Seit ich vier bin, tanze ich. Ich habe damals mit Stepptanz und klassischem Tanz begonnen und habe mich erst in meinen Teenager-Jahren immer mehr in Richtung Hip-Hop entwickelt. Im Alter von 15 oder 16 hat sich relativ schnell hausgestellt, dass Tanz für mich definitiv mehr als eine Leidenschaft ist und das ich das beruflich machen will. Mit 18 Jahren habe ich dann mit zwei Kolleginnen aus dieser Passion heraus unser Festival geründet. Ganz nach dem Motto - „Wir haben eine Vision, wieso setzen wir sie nicht um?!“ Damals war die Szene extrem klein und kaum repräsentiert. Wir waren Vorreiter, denn so ein Hip-Hop-Streetdance-Battle hat es in ganz Österreich noch nicht gegeben. Zum Glück sind wir auf große Unterstützung und viele offene Ohren getroffen, die uns von Anfang an unterstützt haben.

„House Dance sollte genau so seinen Platz im Theater haben wie klassischer oder zeitgenössischer Tanz. Wir wollen damit musikalische Aufklärungsarbeit leisten und Menschen die Kultur durch unseren Tanz näher bringen.“

In welche Richtung möchtest du dich gerne entwickeln? Was sind deine Ziele für die Zukunft?

Am 14.04.2020 bringen meine Kollegin Farah und ich die erste abendfüllende Tanzproduktion auf die Bühne. Das Stück „4A.M“ wird Österreichs erste abendfüllende House-Dance Produktion sein, die sich ausschließlich aus dem Repertoire des House-Dance bedient. Wenn alles klappt, führen wir die ersten Stücke bald im Brut Wien oder in der Arge Kultur auf. Generell ist House oder Hip-Hop im Theater in Österreich noch extrem wenig verbreitet. Es erfüllt mich sehr, dass ich nun auch auf diesem Weg mehr machen und einen anderen Aspekt vom Tanz zeigen kann. Das ist auf jeden Fall eine Richtung, in der ich auch gerne mehr Bildungsarbeit leisten möchte. Viele Menschen kennen dieses Musikgenre und diese Art von Theaterstücken noch kaum. Hier sehe ich es als meine Aufgabe, den Menschen die vorhandene Scheu zu nehmen und einem breiteren Publikum näher zu bringen. House Dance sollte genau so seinen Platz im Theater haben wie klassischer oder zeitgenössischer Tanz.

Theater wird oft mit klassischer Musik und eher klassischen Tanzstilen verbunden. Wie habt ihr das in eurem Stück geplant?

Unser Stück wird sich ausschließlich der Housemusik und etlicher derer Sub-Genres bedienen. Von Broken-Beat über Deep-, Classic- und Soulful House ist alles mit dabei. Das ist definitiv auch Teil unserer Arbeit, denn die ganze Kultur, die hinter dieser Musik steckt, ist bei uns in Europa einfach nicht bekannt. Selbst wir haben hier einen jahrelangen Prozess hinter uns, die Musik, welche in New York und Chicago entstanden ist, zu verstehen. Der Ursprung ist in der Black Community und wird bei uns natürlich auch nicht so gelebt. Dahinter steckt ein anderes System, ein anderes Denken - nur ein Grund weshalb es und so wichtig ist, diese Kultur und den Tanz ins Theater zu bringen.

Wir wollen damit musikalische Aufklärungsarbeit leisten und Menschen die Kultur durch unseren Tanz näherbringen. Das Schöne ist wirklich, dass wir von Beginn an mit unserer Idee auf offene Ohren gestoßen sind. Man hat gemerkt, dass auch die kulturell und international anerkannte Stadt Salzburg tatsächlich sehr interessiert daran ist, auch außerhalb der Festspiele und Mozart, nach alternativen und jungen Einflüssen zu suchen. In der Richtung etwas Neues aufzubauen und zu etablieren, dafür ist Salzburg wirklich ein gutes Pflaster.

Wie war für dich der Schritt in die Selbständigkeit? Und was würdest du jemand anderen mitgeben, der vielleicht auch vor einer großen Entscheidung steht?

Ich habe gespürt, dass ich meinem Herzen vertrauen und ins kalte Wasser springen muss. Rückblickend kann ich sagen, dass man sich als junger Mensch wahrscheinlich etwas leichter bei solchen Entscheidungen tut, weil man einfach nicht so viel darüber nachdenkt. Das war auch bei mir so, man bekommt einen Samen gesetzt und geht dem nach. Als ich mit 18 zum ersten Mal das Tanzfestival „Flavourama“ organisiert habe, tat ich das ganz nach dem Motto „Koste es, was es wolle“ und ohne darüber nachzudenken, was es eigentlich alles mit sich bringt. Das Gute daran ist, es funktioniert schlussendlich immer irgendwie und aus Fehlern, die man macht, lernt man. Allen, die auch etwas starten wollen, würde ich raten, ihrem Bauchgefühl zu vertrauen und sich nicht zu sehr vom Kopf, den Medien oder Zweiflern beeinflussen zu lassen.

Gibt es Ideen, Projekte oder Ziele, die du noch umsetzen willst?

Ich entwickle gerade ein Mentorship-Programm, wo ich jungen Tänzerinnen und Tänzern die Chance geben will, alles was ich in meiner Tanzkariere schon lernen durfte, für sich mitzunehmen. In 15 Jahren erlebt man so einiges und ich fühle mich jetzt erfahren genug, meine Erkenntnisse mit anderen zu teilen. Sei es choreografisch, im musikalischen Know-How, natürlich tänzerisch und finanziell. Alle Aspekte sind als selbständige Tänzerin oder Tänzer extrem relevant und schlussendlich ausschlaggebend, um vom Tanz leben zu können.

Inspiration ist ein Riesenthema, besonders auch in deinem Beruf. Woher holst du dir deine?

Musik ist für mich die größte Inspirationsquelle, damit beschäftige ich mich jeden Tag. Ich komme aus der House- und Hip-Hop-Richtung, da leben die Musik und die Tanzstile vom Groove. Alles ist so musikgetrieben und deswegen liebe ich es, Musik zu hören. Mich täglich in die Richtung weiter zu bilden, verschiedene Genres anzuhören und das Gefühl für die Musik zu bekommen, ist für mich das Wichtigste, es inspiriert mich und macht mir auch unglaublich viel Spaß. Abgesehen davon gibt es natürlich auch Menschen, die mich inspirieren. Das sind zum Beispiel meine Kollegen, die mich schon jahrelang begleiten.

Dein Alltag ist von Sport und körperlicher Anstrengung geprägt. Neue kreative Ideen bedeuten gleichzeitig immer körperliche Anstrengung. Wo holst du dir deinen Ausgleich?

Neben Yoga muss ich ganz klar sagen, dass meine Couch und ein Fernseher extrem wichtig für meine Entspannung sind. Nach einem Tag im Studio, an dem ich nur in Bewegung war und danach noch die ganzen Mails abgearbeitet habe, ist für mich die Couch einfach der perfekte Ausgleich und super wertvoll. Durch meinen Beruf habe ich gelernt, auf meinen Körper zu hören. Dass ich fast nie krank bin liegt bestimmt auch daran, dass durch den Sport, die ausgewogene Ernährung und genügend Ruhepausen mein Immunsystem gut versorgt ist. Ich achte natürlich schon darauf, dass ich meine Vitaminzufuhr aufrechterhalte – sei es durch viel Obst und Gemüse, oder mit Supplements wie das D3+K2-Öl im Winter. Vor allem wenn ich in einer intensiven Probenphase bin, wo wir wirklich zwei Wochen täglich acht Stunden trainieren, dann nehme ich zusätzlich regelmäßig Magnesium, Zink, und Vitamin D3+K2. Ernährung ist für mich definitiv der Schlüssel zu einem gesunden Körper und einem starken Immunsystem starken Immunsystem.

Wenn du von Ernährung sprichst, hast du auch einen konkreten Ernährungsplan, auf den du in intensiven Trainingszeiten zurückgreifst?

Nein das nicht, aber ich habe mich in der Vergangenheit sehr viel mit Ernährung beschäftigt: was tut mir gut, was braucht mein Körper bzw. was braucht er nicht. Da habe ich für mich eine gute Lösung gefunden. Ich esse auch gerne mal Pasta oder Pizza, auch auf Schokolade verzichte ich nicht. Aber ich achte einfach darauf, täglich mindestens ein Stück Obst und eine Portion Gemüse zu essen und viel Wasser zu trinken. In intensiven Trainings- oder Veranstaltungsphasen verzichte ich auf Alkohol und esse weniger Süßes. Ich würde sagen, eine Balance aus den genannten Dingen ist für mich das Beste. Verzicht gehört da aber nicht dazu.

Gibt es spezielle Situationen, in denen zu zum Beispiel zu CBD greifst? Was ist dein Guide-to-relax?

Ich hab euch ja schon von meiner Couch erzählt. ;) Wenn ich mal Zeit habe zum Entspannen, trinke ich sehr gerne einen Kräutertee. Das ist für mich das Ideale, weil Kräutertees auch kaum Teein oder Coffein enthalten. Kräuter sind einfach generell ein großes Thema, wenn man mit dem Körper arbeitet. Besonders im Winter, wenn es draußen kalt ist, versuche ich mir dafür regelmäßig Zeit zu nehmen. Speziell in den Monaten November bis März nehme ich Vitamin D3+K2 auch täglich.

CBD-Öl nehme ich sehr punktuell, zum Beispiel wenn ich merke, dass mein Körper besonders ausgelaugt ist und meine Muskeln nach einer zweiwöchigen Trainingsphase sehr überlastetet sind. In diesen Momenten nehme ich CBD-Öl vor dem Schlafengehen, zur Muskelentspannung und auch um gut abschalten zu können. Nach einer intensiven Phase, wo ich meinen Kopf und meinen Körper sehr angestrengt habe, greife ich zum CBD-Öl und kann mich auf die Wirkung einlassen. Das würde ich als meinen Guide-to-relax beschreiben.

*Link zum neuesten Stück „4A.M“ – Online Tickets unter:
https://www.argekultur.at/Event/16071/tanzcompany-potpourri-4-am---a-house-dance-pi

Fotos: Helena Kalleitner