CBD und Blutdruck: Was sagt die Forschung?

Von der VITALHemp Redaktion · Zuletzt aktualisiert: 6. Juli 2026 · Lesezeit ca. 9 Min.

Der Zusammenhang zwischen Cannabidiol (CBD) und dem Herz-Kreislauf-System gehört zu den spannendsten Feldern der jüngeren Cannabinoid-Forschung. Seit einer viel beachteten Studie der Universität Nottingham aus dem Jahr 2017 untersuchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, wie CBD auf Blutdruckwerte einwirken könnte — mit interessanten ersten Beobachtungen zu Ruhewerten und Stressreaktion. Dieser Artikel ordnet den Forschungsstand ein: Was genau wurde beobachtet, welche Studien gibt es, und was bedeutet das für Menschen, die sich für das Thema interessieren?

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Studie der Universität Nottingham (2017) beobachtete nach einer Dosis CBD niedrigere Ruhe-Blutdruckwerte bei neun gesunden Männern (n=9) — der meistzitierte Einzelbefund des Forschungsfelds.
  • Eine Meta-Analyse desselben Forschungsteams fand, dass CBD unter Ruhebedingungen keinen messbaren Blutdruck-Effekt zeigte, wohl aber unter Stress.
  • Bluthochdruck (Hypertonie) ist eine ärztlich zu betreuende Erkrankung. CBD ist ein Lebensmittel und kein Ersatz für ärztlich verordnete Blutdrucksenker.
  • Nimmst du bereits Blutdruckmedikamente ein, sprich eine Kombination mit CBD vorher mit deiner Ärztin oder deinem Arzt ab.

Was Bluthochdruck eigentlich ist — sachlich erklärt

Blutdruck ist die Kraft, mit der das Blut gegen die Gefäßwände drückt, während das Herz es durch den Körper pumpt. Angegeben wird er mit zwei Werten in Millimeter Quecksilbersäule (mmHg): dem systolischen Wert (wenn das Herz sich zusammenzieht) und dem diastolischen Wert (in der Entspannungsphase). Von Bluthochdruck — medizinisch Hypertonie — sprechen Fachgesellschaften in der Regel ab Werten um 140/90 mmHg, gemessen an mehreren Tagen.

Bluthochdruck ist weit verbreitet und in vielen Fällen gut behandelbar. Zu den Faktoren, die ihn begünstigen können, zählen unter anderem Veranlagung, Alter, salz- und kalorienreiche Ernährung, Übergewicht, Bewegungsmangel, dauerhafter Stress und höherer Alkoholkonsum. Weil das Alter zu den Risikofaktoren zählt, wird das Thema Blutdruck häufig auch im Zusammenhang mit älteren Menschen diskutiert — mehr dazu im Beitrag CBD für Senioren & ältere Menschen: Was du wissen solltest. Wichtig zu wissen: Hypertonie verläuft oft lange ohne spürbare Beschwerden. Genau deshalb sind regelmäßige Messungen und die Betreuung durch eine Ärztin oder einen Arzt so sinnvoll — nicht, um Angst zu machen, sondern weil sich der Wert dann in aller Regel gut im Blick behalten und steuern lässt.

Was die Forschung zu CBD und Blutdruck beobachtet hat

Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit CBD und dem Herz-Kreislauf-System zählt zu den aktiveren Feldern der Cannabinoid-Forschung. Vier Arbeiten geben einen guten Überblick über den aktuellen Stand.

„Eine einmalige Dosis von 600 mg Cannabidiol senkte den Ruhe-Blutdruck (systolisch −6 mmHg) und dämpfte den Blutdruckanstieg unter Stress bei gesunden Freiwilligen.“

Jadoon et al. 2017, JCI Insight · PubMed · randomisiert, placebokontrolliert, Crossover, n=9 (gesunde Männer)

Diese sogenannte Nottingham-Studie ist der meistzitierte Einzelbefund des Forschungsfeldes: neun gesunde Männer erhielten eine einmalige Dosis von 600 mg CBD. Die Autoren selbst formulierten ihre Ergebnisse als Ausgangspunkt für weitere Forschung.

„Akute und chronische Gabe von CBD hatte unter Ruhebedingungen keinen Effekt auf Blutdruck oder Herzfrequenz, reduzierte diese aber unter Stressbedingungen.“

Sultan et al. 2017, Frontiers in Pharmacology · PubMed · systematisches Review + Meta-Analyse (25 Studien)

Diese Meta-Analyse ist deshalb so aufschlussreich, weil sie die Erwartung dämpft: Über viele Studien hinweg zeigte sich im Ruhezustand kein blutdrucksenkender Effekt. Ein möglicher Zusammenhang deutete sich vor allem in Stresssituationen an — was gut zu der Beobachtung passt, dass CBD in anderen Forschungsfeldern überwiegend mit Stress- und Anspannungsreaktionen in Verbindung gebracht wird.

„Nach der ersten Einnahme zeigten sich akute Blutdruck-Veränderungen; über sieben Tage wiederholter Gabe schwächten sich diese Reaktionen ab.“

Sultan et al. 2020, British Journal of Clinical Pharmacology · PubMed · randomisiert kontrolliert, n=26 (gesunde Männer)

Diese Folgestudie ist wichtig für eine ehrliche Einordnung: Ein akuter Effekt nach der ersten Dosis bedeutet nicht automatisch eine anhaltende Wirkung. Über eine Woche wiederholter Einnahme ließen die beobachteten Reaktionen nach — ein Hinweis darauf, dass sich der Körper anpassen könnte. Was das langfristig bedeutet, ist offen.

„CBD besitzt in Labor- und Tiermodellen unter anderem gefäßerweiternde und antioxidative Eigenschaften; die klinische Übertragbarkeit auf den Menschen ist noch offen.“

Kicman & Toczek 2020, International Journal of Molecular Sciences · PubMed · Übersichtsarbeit (präklinisch + klinisch)

n = 9

Teilnehmer der meistzitierten Blutdruck-Studie (Jadoon et al. 2017).

Warum das Endocannabinoid-System überhaupt eine Rolle spielen könnte

Um zu verstehen, warum Forschende diesen Zusammenhang untersuchen, hilft ein Blick auf das Endocannabinoid-System (ECS) — ein körpereigenes Signalnetzwerk, das an der Regulation zahlreicher Prozesse beteiligt ist, darunter Stressreaktionen, Entzündungsvorgänge und die Funktion von Blutgefäßen. CBD interagiert auf vielfältige Weise mit diesem System und mit weiteren Rezeptoren (Garcia-Gutierrez et al. 2020, PubMed).

Ein häufig diskutierter Erklärungsansatz führt über den Umweg der Anspannung: Da akuter Stress den Blutdruck kurzfristig steigen lässt und CBD in mehreren Studien mit Stressreaktionen in Verbindung gebracht wird, könnte ein Teil der beobachteten Blutdruck-Effekte indirekt über die Stressachse vermittelt sein — so zumindest eine der Hypothesen, die aus den Daten abgeleitet werden. Es handelt sich ausdrücklich um Forschungsansätze, nicht um gesicherte Wirkmechanismen im Menschen.

Untersuchte Forschungspfade (vereinfacht) CBD Endocannabinoid- System & Rezeptoren Stress- & Anspannungsreaktion Blutdruck (beobachtet) Gestrichelt = in Studien diskutierte, nicht gesicherte Zusammenhänge

Wenn du bereits Blutdruckmedikamente einnimmst, sprich die Kombination mit CBD vorher mit deiner Ärztin oder deinem Arzt ab — mehr dazu im Artikel CBD: Nebenwirkungen und Wechselwirkungen.

Die Studienlage auf einen Blick

Studie Design Beobachtung Grenze
Jadoon 2017 RCT, Einzeldosis, n=9 Niedrigerer Ruhe-Blutdruck, gedämpfte Stressreaktion Sehr kleine Gruppe, nur gesunde Männer
Sultan 2017 Meta-Analyse, 25 Studien Kein Ruhe-Effekt; Reduktion unter Stress Heterogene Studien, viele Tiermodelle
Sultan 2020 RCT, 7 Tage, n=26 Akut-Effekt schwächte sich über die Woche ab Kurzer Zeitraum, gesunde Probanden
Kicman & Toczek 2020 Übersichtsarbeit Gefäß- & antioxidative Effekte im Labor Übertragbarkeit auf Menschen offen

Wie belastbar ist der Forschungsstand?

CBD gilt in Studien grundsätzlich als gut verträglich (Larsen & Shahinas 2020, PubMed) — ein Grund, warum sich viele Menschen für die Substanz interessieren, auch im Zusammenhang mit dem Herz-Kreislauf-System. Für die Einordnung wichtig: Die in den Blutdruck-Studien verwendeten Dosen (oft 600 mg in einer Einzelgabe) liegen deutlich über dem, was in handelsüblichen CBD-Ölen vorkommt — die beobachteten Effekte lassen sich also nicht eins zu eins auf den Alltag übertragen. Wer verstehen möchte, was CBD grundsätzlich ist und wie es im Körper diskutiert wird, findet in unseren Grundlagenartikeln Was ist CBD? und CBD Wirkung: Wie wirkt Cannabidiol? weiteren Kontext.

Du interessierst dich für die Forschung hinter CBD?

Auf unserer Studien-Seite bündeln wir die wissenschaftlichen Arbeiten, auf die wir uns beziehen — transparent und mit Quellenangabe.

Zur Studienübersicht

Häufige Fragen zu CBD und Blutdruck

Senkt CBD den Blutdruck?

Das lässt sich so nicht sagen. Einzelne kleine Studien an gesunden Freiwilligen beobachteten nach einer hohen Einmaldosis niedrigere Blutdruckwerte, eine Meta-Analyse fand jedoch unter Ruhebedingungen keinen Effekt. Die Datenlage ist vorläufig und erlaubt keine allgemeingültige Aussage.

Kann ich CBD zusätzlich zu meinen Blutdruckmedikamenten nehmen?

Nicht ohne ärztliche Rücksprache. Besprich eine mögliche Kombination immer zuerst mit deiner Ärztin oder deinem Arzt und setze verordnete Medikamente niemals eigenständig ab.

Ist CBD ein Ersatz für Blutdrucksenker?

Nein. CBD ist ein Lebensmittel und keine zugelassene Therapie gegen Bluthochdruck. Es ersetzt keine ärztlich verordnete Behandlung. Hypertonie gehört in ärztliche Betreuung.

Warum untersuchen Forscher überhaupt CBD und Blutdruck?

Weil das Endocannabinoid-System an der Regulation von Gefäßfunktion und Stressreaktionen beteiligt ist und CBD mit diesem System interagiert. Das macht den Zusammenhang wissenschaftlich interessant — führt aber noch nicht zu praktischen Empfehlungen.

Wie aussagekräftig sind die vorhandenen Studien?

Begrenzt. Die meisten Humanstudien umfassten nur wenige gesunde Teilnehmer, nutzten hohe Einzeldosen und liefen über kurze Zeiträume. Für belastbare Aussagen zu Betroffenen fehlen größere Langzeitstudien.

Fazit

CBD und Blutdruck ist ein Forschungsfeld mit spannenden ersten Signalen: Studien beobachteten niedrigere Ruhe-Blutdruckwerte nach CBD-Gabe und eine gedämpfte Reaktion auf Stress — ein Zusammenhang, den die Wissenschaft weiter untersucht. Für Menschen mit Bluthochdruck bleibt die ärztliche Betreuung die Grundlage, und wer bereits Medikamente einnimmt, bespricht eine Kombination vorab mit der Ärztin oder dem Arzt. Wer das Thema mit Interesse verfolgt, ist gut beraten. Wer sich grundsätzlich für Herz-Kreislauf-Themen und die Rolle einzelner Nährstoffe interessiert, findet weiterführenden Kontext im Beitrag Vitamin D3 & K2: Warum die Kombination sinnvoll ist.

Quellen

  1. Jadoon KA, Tan GD, O'Sullivan SE. A single dose of cannabidiol reduces blood pressure in healthy volunteers in a randomized crossover study. JCI Insight, 2017. PubMed
  2. Sultan SR, Millar SA, England TJ, O'Sullivan SE. A Systematic Review and Meta-Analysis of the Haemodynamic Effects of Cannabidiol. Frontiers in Pharmacology, 2017. PubMed
  3. Sultan SR, O'Sullivan SE, England TJ. The effects of acute and sustained cannabidiol dosing for seven days on the haemodynamics in healthy men: A randomised controlled trial. British Journal of Clinical Pharmacology, 2020. PubMed
  4. Kicman A, Toczek M. The Effects of Cannabidiol, a Non-Intoxicating Compound of Cannabis, on the Cardiovascular System in Health and Disease. International Journal of Molecular Sciences, 2020. PubMed
  5. Garcia-Gutierrez MS et al. Cannabidiol: A Potential New Alternative for the Treatment of Anxiety, Depression, and Psychotic Disorders. Biomolecules, 2020. PubMed
  6. Larsen C, Shahinas J. Dosage, Efficacy and Safety of Cannabidiol Administration in Adults: A Systematic Review of Human Trials. Journal of Clinical Medicine Research, 2020. PubMed

Eine laufend gepflegte Übersicht der von uns herangezogenen Studien findest du auf unserer Studien-Seite.

Hinweis: CBD ist ein Lebensmittel, kein Arzneimittel und ersetzt keine ärztliche Behandlung — bei Bluthochdruck oder in Kombination mit Medikamenten sprich das vorher mit deiner Ärztin oder deinem Arzt ab, und setze verordnete Medikamente niemals eigenständig ab.

Weitere Beiträge

Unsere Produkte