Kaltextraktion vs. Warmextraktion

Kaltextraktion und Warmextraktion bezeichnen zwei grundsätzliche Herangehensweisen bei der Gewinnung von Cannabinoiden aus der Hanfpflanze, die sich vor allem durch die eingesetzte Temperatur unterscheiden — mit spürbaren Folgen für Terpengehalt, Farbe und Geschmack des fertigen Extrakts. Beide Ansätze liefern zunächst einen Rohextrakt, der anschließend weiterverarbeitet werden kann.

Bei der Kaltextraktion wird möglichst wenig Wärme zugeführt, etwa bei einer kalten Ethanol-Extraktion ("Winterization") nahe dem Gefrierpunkt. Ziel ist, unerwünschte Begleitstoffe wie Chlorophyll, Wachse und Pflanzenfette weitgehend im Pflanzenmaterial zu belassen und gleichzeitig hitzeempfindliche Terpene zu schonen, die bei zu hoher Temperatur verdunsten. Bei der Warmextraktion — etwa einem klassischen Ölauszug, bei dem Pflanzenmaterial direkt im Trägeröl erhitzt wird — läuft der Prozess einfacher und oft schneller ab, löst dabei aber auch mehr Chlorophyll und Bitterstoffe. Die als besonders schonend geltende CO2-Extraktion nimmt eine Zwischenposition ein: Sie benötigt technisch bedingt Wärme, um Kohlenstoffdioxid in den überkritischen Zustand zu versetzen, gilt im Branchenvergleich aber dennoch als eines der schonenderen Verfahren, weil in erster Linie der Druck und nicht die Hitze für die Extraktion sorgt.

Kaltextraktion vs. Warmextraktion im Überblick:

Merkmal Kaltextraktion Warmextraktion
Terpenerhalt eher hoch eher gering
Chlorophyll/Bitterstoffe gering tendenziell mehr
Prozessaufwand höher (Kühlung, Zeit) geringer
Typisches Verfahren Kalt-Ethanol, überkritisches CO2 Ölauszug, warme Ethanol-Extraktion

Konkretes Beispiel: Überkritisches CO2 entsteht bereits ab rund 31 °C — technisch also "warm" im Wortsinn. Im Vergleich zu einem heißen Ölauszug, der oft deutlich über 100 °C erreicht, gilt die CO2-Extraktion trotzdem als das schonendere, "kältere" Verfahren.

Häufiger Irrtum: "Kalt hergestellt bedeutet automatisch hochwertiger." Das Verfahren allein sagt nichts über die Endqualität aus — entscheidend sind zusätzlich Rohstoffqualität, Prozessführung und Nachbearbeitung. Ob ein Extrakt anschließend als Vollspektrum belassen oder zu Breitspektrum bzw. CBD-Isolat weiterverarbeitet wird, ist ohnehin ein separater Schritt. Verlässlich prüfbar ist die tatsächliche Qualität nur über ein unabhängiges Analysezertifikat (COA).

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